Die Statistik der Masters EM 2019 in London sieht wie folgt aus: Zu den beiden EM-Marathon-Rennen vormittags in den Altersklassen Damen + Herren AK40-49, Damen AK 50-59 und Herren AK 60-69  und nachmittags in den AKs Damen + Herren 30 – 39, Herren 50 – 59, Damen 60 – 69 sowie Damen + Herren 70plus hatten sich 170 Masters angemeldet. Sie kamen aus 16 Nationen von Finnland über die Ukraine bis nach Liechtenstein. Insgesamt starteten 44 Frauen und 126 Männer. Mit 29 gemeldeten Startern (11 Frauen, 18 Männer) war Deutschland zahlenmäßig am stärksten vertreten vor Italien (28) sowie Spanien und Gastgeber Großbritannien (je 22). Aus Finnland kam nur ein Mann; Norwegen, Dänemark, Tschechien und Liechtenstein waren je zweimal vertreten.

Im Medaillenspiegel der Nationen kam Deutschland hinter Italien (4 Gold; 3 Bronze) und Spanien (je 2 Gold-, Silber- und Bronzemedaillen) mit einmal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze auf Rang drei. Für die Medaillen sorgte Claudia Pechstein vom SCC Berlin als Siegerin in der AK40 vor der mit Silber ausgezeichneten Karina Weindorf aus Groß-Gerau. Silber gab es auch Christian Kraus vom ISC Regensburg in der AK50 und für Diemo Gorschboth vom 1. FC Nürnberg Roll- und Eissport. Die beiden Bronzemedaillen erkämpften sich Katrin Leschner vom EC Chemnitz in der AK50 und Marius Wittke vom RSC Kirrlach in der AK60.

Die im Londoner Olympiapark allerdings erst nach den Olympischen Spielen von 2012 in unmittelbarer Nähe der großartigen Radsportarena angelegte Trainingsstrecke für Straßenradrennfahrer hat es aus Inline-Skater-Sicht in sich. Der gut eine englische Meile lange Rundkurs ist war bestens asphaltiert und hat keine tückischen Kanaldeckel. Aber wenn man auf den zu absolvierenden 26 Runden bis zum Marathonziel pro Runde 6 mal mehr, mal weniger heftige Hügel zu überwinden hat, dann weiß man am Ende, was man geleistet hat. Vor allem dann, wenn am Tag der Masters-EM die Temperaturen auch noch bis auf 29 Grad im Schatten stiegen. Dummerweise aber gab es keinen Schatten, so dass der der Sonneneinstrahlung brutal ausgesetzte Asphalt wesentlich höhere Temperaturen abstrahlte. Die morgens um 9:45 Uhr gestarteten Damen + Herren  AK40, Damen AK50 und Herren AK60 hatten noch halbwegs günstige Bedingungen, zumal auch der Wind noch ruhte. Beim Nachmittagsrennen der Damen + Herren AK30, der Herren AK50, der Damen AK60 sowie der einzigen Dame  und den Herren AK70 war die Hitze vor allem für die älteren Semester brutal. In der AK50 der Herren erreichte ein Drittel der Gemeldeten nicht das Ziel. Von den gemeldeten fünf  AK60 Damen holten sich nur zwei die Medaillen ab. Bei den AK70 Herren blieben von acht Gemeldeten, vier auf der Strecke.

Umso bewundernswerter sind die Leistungen derer, die auf diesem Kurs Medaillen erkämpften. Mit Recht feierten sie den Sieg des Willens.

Wer sein Rennen jedoch vorzeitig beendete, nachdem er auf den letzten Metern des sechsten Hügels eher hoch stampfte als skatete, um dann anschließend bei schwindender Konzentrationsfähigkeit mit 40 km/h auf den nächsten Anstieg los zu jagen, bei dem siegte die Vernunft.

© Hans-Peter Detmer