von Stefan Weigang (Spartenleiter Inlineskaten des Garbsener SC, Historiker, PR-Referent)

Inlineskaten als Wettkampfsport hatte seine frühe Keimzellen in Niedersachsen, sowohl in der Stadt als auf dem Lande. Hannovers erste Rennen organisierte Detlef Seeska von 1993 bis 1995 in der Eilenriede nahe dem Zoo. In Prezelle im Wendland, jahrzehntelang dünn besiedeltes Zonenrandgebiet und vor allem durch das nahe Gorleben bekannt geworden, ist ein Aktivposten im ländlichen Raum gewesen. Mit dem Inline Volkslauf 2018 kann die IGAS Wendland auf 25 Jahre Inlinerennen im Wendland zurückschauen.

Ab 1993 wurden „Rollschuh-Wettbewerbe“ der IGAS Wendland auf dem Kalidamm bei Wustrow ausgetragen. 3 km, 10 km und Halbmarathon waren möglich. Bei der 3. Auflage 1995 liefen die Sieger Michael Sachs und Det Seeska mit 39:47 und 39:48 Minuten Zeiten, die bis dahin erst sieben Skater in Deutschland erreicht hatten. Trotz der Wendepunktstrecke des Materials, Rollen 5 x 80 mm Durchmesser waren damals noch neues Material). 1996 wurde der erste reine Inline-Marathon in Wustrow ausgefahren und schon als Landesmeisterschaft ausgetragen.

Seit dem Jahr 1998 kam etwas Neues hinzu: der Wendland 100er. Zuerst einmal auf einer Wendepunktstrecke an der Elbe bei Hitzacker ausgetragen, dann zweimal 1999 und 2000 auf einem kurzen Teil der Strecke des späteren Wendland84ers zwischen Lomitz und Schletau.

https://web.archive.org/web/20050224105823fw_/http://www.wendland84er.de:80/ErgLomit z100-2000.html

Andreas Andruleit aus Kiel fuhr damals sogar unter 3 Stunden. In diesen Jahren veranstaltete die IGAS Wendland auch Hallenrennen, eine LM mit 200 m, 500 m,
1.500 m und 5.000 m, sowie sogar einmal einen Hallen-Marathon auf der 142-Meter-Runde einer Gokarthalle in Salzwedel, also fast 300 Runden, danach dann nur noch einen Hallenhalbmarathon. Hinzu kamen noch Rennen im Wendland, die nur einmal ausgetragen wurden: 1998 ein Halbmarathon bei Hitzacker und 2005 ein 10-km-Wettbewerb in Dannenberg.

Dann folgte ab 2001 der Wendland84ers mit drei Runden á 22,7 Kilometer rund um Prezelle plus eine verkürzte Eingangsrunde. Außerdem gab es verschiedene kürzere Wettbewerbe. 2001 mit 16 km und Marathon, bei der 10. Auflage (wir zählten damals die drei 100er davor
mit) 2007 mit 5 km, 19,5 km (bzw. 16 km), Marathon und Doppelmarathon.

Städter konnten hier den Charme (Fachwerkhäuser und wenig Verkehr) des Landlebens, aber auch die Kehrseiten kennen lernen (die Startnummern wurden im Dorfladen ausgegeben, der sonst dicht war). Übernachtet wurde in einzelnen Fremdenzimmern im Dorf und überwiegend im Zelt neben dem großen Sportplatz. Die Duschen neben der Kita wurden durch eine improvisierte (Kaltwasser-) Dusche ergänzt – in manchen heißen Jahren eine willkommene Abkühlung.
Im Jahr 2000 gab es auch einen Wettbewerb über 100 km (Ergebnisse im web-Archiv https://web.archive.org/web/20050224105823fw_/http://www.wendland84er.de:80/ErgLomitz100-2000.html ) 2001 bis 2010 wurde der Wendland84er zugleich für die Deutsche Meisterschaft Langstrecke gewertet.

Damals war Inlineskaten bzw. Speedskaten, wie es bald hieß, noch echter Ausdauersport: lieber lange Strecken fahren, wie beim Wendland84er, dem „Oneeleven“ in St. Gallen (Schweiz) über 111 km oder den 24 Stunden von LeMans. 2001 fand auch erstmals der beliebte Landschaftsmarathon Hannover-Celle statt, der ein
unvergleichliches Landschaftserlebnis bot. Im gleichen Jahr wurde auch die Fläming-Skate in Brandenburg eröffnet, anfangs nur mit einem 12 km-Ring und dem großen 90 km-Ring.

Manche Rennen in der Gegenwart wären glücklich über die Teilnehmerzahlen, die damals erreicht werden konnten. Von den fast 680 gemeldeten Sportler traten 624 bei der Hitzeschlacht im Jahre 2003 an.

Lebhaft in Erinnerung geblieben ist vielen Teilnehmer*innen und Begleiter*innen auch der Wendland84er im Jahre 2007: Dauerregen machte das Rennen zu einer Ausdauerübung für eine saubere Skatingtechnik.

Im Ergebnisarchiv https://www.igaswendland.de/ergebnisarchiv.php mit den Ergebnissen der Rennen seit 2003 sind auch die Doppelmarathons 2003 und 2007 bis 2010 nachzulesen.

Humorig ausgefallen ist der Bericht 2008 „… vom Winde verweht in Prezelle“ der Düsseldorfer Speedskater unter www.speedskater-duesseldorf.de/index.php/home/1-latest/88-vomwinde-verwehtin-prezelle

Typisch für die Rennen im Wendland war und ist die Wertschätzung für jede und jeden Teilnehmer*in. So werden in den Ergebnislisten auch alle Ausgeschiedenen aufgerührt, zum Beispiel beim Hitzerennens des Sommers 2003 https://web.archive.org/web/20030806201622/http://www.wendland84er.de:80/
Und zum Abschluss der Siegerehrung im großen Zelt auf dem Dorfplatz bekam der letzte Finisher einen Ehrenpreis, wie den „Durchhalterpreis“ aus dem Jahre 2008.

Im Gedächtnis blieb den Autoren auch die alltagsrelevante Szene am Kuchenbuffet der Zielverpflegung: Ein erfahrener Skater, Helm ab und Kuchen in der Hand, steht aber noch auf Rollen, berichtet detailliert über einen Ausreißversuch und wupps, fällt er samt Kuchen rückwärts hin. Seither gilt Sylvia O.s Regel absolut: Erst aus den Skates raus, dann erst den Helm ab.

Der Wendland84er fand auf dem „platten Land“ statt, erforderte aber trotzdem einiges an Organisation. Die Bevölkerung aus den Dörfern, durch die das Rennen führte, war eingebunden. Für die weit mehr als 100 Helfer gab es nach dem Rennen eine große Tombola im Veranstaltungszelt mit viel mehr Preisen als für die Teilnehmer. Außerdem wurden alle Helfer zur großen Nudelparty am Abend vor dem Rennen eingeladen. Als die Organisation nicht mehr zu wuppen war, gab es 2011 zunächst einen Marathon und nur für Landkreiseinwohner. Der 18. Wendland-Inlinemarathon der IGAS Wendland wurde am 17. Juli 2011 auf einer 3,4-km-Wendepunktstrecke zwischen Lomitz und Schletau ausgetragen, maximale Wettkampfstrecke 40,8 km. Ein Konzept, das Zukunft hat.

Seit dem Jahre 2012 gibt es nun den Inline-Volkslauf, der offen für alle Skater*innen ist. Zwei, drei oder sechs Runden auf einer Wendepunktstrecke entlang des Luciekanals bei Lüchow konnten am 27. Mai 2018 geskatet werden, sechs Runden ergaben 39,6 km. Mit der bekannten persönlichen Organisation, der reichlichen Zielverpflegung und (meiner Meinung nach) sehr billigen Startgeldern. Mit der guten alten Handzeitmessung (aus der Leichtathletik) wurden auch alle Zwischenzeiten präzise erfasst. Sehr gute Bedingungen bei Sonnenschein und wenig Wind sorgten bei den 40 Teilnehmern und bei den Organisatoren des Inline-
Volkslauf der IGAS Wendland für gute Stimmung und für ein paar neue Streckenrekorde. Über die 39,6 km verbesserten die Brüder Daniel und Martin Trumpf vom Skate-Team Celle mit 1:12:02 ihre eigene Bestzeit um über 10 Minuten. Und auch in den weiblichen Jugendklassen gab es mit Friederike Dobberkau (MTV Beedenbostel) über 19,2 km und Pia Lea Brohm (TSV Sprötze) über 13,2 km neue Bestzeiten.

Bei der Siegerehrung freute sich Detlef Boick über 25 Jahre Inlinerennen im Wendland und baut darauf „noch 25 Jahre hier zu skaten.“ Name IGAS Wendland für den Sportverein ist meines Erachtens zukunftsweisend gewählt worden. So sind bis heute im Terminkalender der IGAS Wendland alle Ausdauersportarten dabei (www.igaswendland.de/2018/termine2018.php): Eislaufen • Inlineskaten • Laufen • Mountainbiking • Paddeln • Radfahren • Schwimmen • Skilanglauf • Triathlon. Und natürlich auch der Inline-Volkslauf 2018.

Eine neue Idee wird in diesem Jahr am 16. Juni umgesetzt: Der welterste IGASlon findet statt, bei dem fast jede erdenkliche Kombination von Skaten • Radfahren • Schwimmen Paddeln • Laufen gewählt werden kann https://www.igaswendland.de/2018/AusIGASlon18.pdf

Links:
https://www.igaswendland.de/
Bericht 2001: http://skate-team-celle.de/wendland-84er-prezelle-12-08-2001/
Bericht 2003: https://web.archive.org/web/20030806201622/http://www.wendland84er.de:80/
Bericht 2008: https://www.speedskater-duesseldorf.de/index.php/home/1-latest/88-vomwinde-
verwehtin-prezelle

Weitere Infos
X1. Salzwedeler Hallen-Inlinemarathon 2000
Axel Hildebrand IGAS/Salomon 1:33:21 Std.
Sylvia Ordowski CST Köln 1:39:33 Std.
4. Wustrower Inline-Marathon
Marathon
Sebastian Baumgartner Salomon Landsberg 1:13:21,0 Std.
Liane Witt Technica Schwerin 1:23:22,4 Std.
21,1 km Mark Albrecht Halstenbeker TS 44:23,5 Min.
Maritje Sell TriAs Flensburg 45:42,5 Min.
10 km Hans Kuban Winsen 26:13,4 Min.
Claudia Carmienke 25:39,0 Min.
5 km Andreas Langbehn IGAS Wendland 10:05,5 Min.
Julia Uhlendorf SC Rosdorf 13:09,4 Min.
1,8 km Dominik Marnholz TuS Wustrow 4:35,3 Min.
Jana Orthmanns MTV Dannenberg 4:42,5 Min.
2. Wendland100er für Skater
100 km Urs Hängi Salomon/Schweiz 2:59:07,6 Std.
Sylvia Ordowski CST Köln 3:24:32,4 Std.
18,1 km Heiko Neubauer ST Bremen 35:31,8 Min.
Maritje Sell TriAS Flensburg 35:28,8 Min.